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04
Mai-2018

Promi-Talk mit Dr. Angelina Whalley

Allgemein   /  

Umstrittene Faszination

Die Frau hinter der Körperwelten-Ausstellung: Dr. Angelina Whalley im Promi-Talk

Medizinerin und Kuratorin der Körperwelten-Ausstellung Dr. Angelina Whalley ist das Gesicht der wohl umstrittensten Ausstellung weltweit. Gemeinsam arbeitet sie mit ihrem Mann Dr. Gunther von Hagens an den Plastinaten, um die Faszination der „Körper-Kunstwerke“ aufrechtzuerhalten. Die revolutionäre Erfindung der Plastination und die Leidenschaft der beiden Mediziner haben einzigartige Ausstellungen geschaffen, die jeden Besucher zum Nachdenken und zur eingehenden Beschäftigung mit dem eigenen Körper einladen. Am 19. Mai kommt die Ausstellung „Körperwelten- eine Herzenssache“ in die OsnabrückHalle, wir haben vorher mit Dr. Angelina Whalley gesprochen.

NEU_Whalley_Hagens

INSIDER: Hallo Frau Dr. Whalley. Sie sind besonders nach der Parkinson-Erkrankung Ihres Mannes, dem Körperwelten-Erfinder Gunther von Hagens, eine sehr beschäftigte Frau. Welche Aufgaben kommen da auf Sie zu?

Dr. Whalley: Im Wesentlichen hat sich für mich nichts Großes geändert. Ich stehe nur jetzt mehr im Vordergrund und betreibe viel Öffentlichkeitsarbeit. Ansonsten bin ich seit Jahren für die Gestaltung, Konzeptionierung und die Fachtexte verantwortlich, die die Informationen für die Besucher bringen. Ich bin seit der Erkrankung meines Mannes auf jeder Ausstellungseröffnung, heute Abend fliege ich zum Beispiel nach Neuseeland.

Nun kommen Sie mit Ihrer Sonderausstellung „Körperwelten – eine Herzenssache“ nach Osnabrück. Wieso ist es ausgerechnet unsere Friedensstadt geworden?

Uns ist irgendwann aufgefallen, dass wir auf unserer Reise noch keine Ausstellung in Niedersachsen präsentiert haben, denn leider fehlte uns immer eine passende Veranstaltungsstätte. In Braunschweig gab es 2016 eben nur die Ausstellung „Körperwelten der Tiere“. Zum Glück haben wir mit der OsnabrückHalle eine passende Location gefunden.

Wie lange dauert eine Plastination und wie funktioniert so etwas?

An einem Körper stecken ungefähr 1.500 Arbeitsstunden, eine Plastination kann insgesamt ein Jahr dauern. Zuerst muss die Verwesung gestoppt werden, danach beginnen wir mit der anatomischen Präparation. Da wird beispielsweise die Haut abgezogen. Danach kommt der eigentliche Prozess der Plastination, in dem das Körperwasser gegen Kunststoff ausgetauscht wird. Dadurch kann das Gewebe nicht verwesen und das Präparat ist trocken, geruchslos und geht somit in die Ewigkeit ein.

In Osnabrück werden wir dieses Jahr ein Präparat vorstellen, dass zuvor nur in den USA zu sehen war: Zwei Körper sind beim Hockeyspielen zu sehen, es ist sehr dramatisch dargestellt, das muss man sehen! Durch die dargestellte Bewegung der Plastinate, wirkt es so, als würde noch ein Hauch Leben in ihnen stecken.

Wie viele Exponate werden ausgestellt – und weshalb steht das Herz im Fokus der Ausstellung?

Puh, das kann ich so genau noch nicht sagen. Die Ausstellung wird aber vergleichsweise sehr groß, da die Halle viel Platz mitbringt. Das Herzkreislaufsystem unseres Körpers beeinflusst eigentlich all unsere Organe. Die Gefäße die vom Herz ausgehen, da läuft unser Leben durch. Leider ist es auch das Gefäß, was wir am meisten unter Stress setzen. Wir zeigen auch erkrankte Herzen und damit die Relevanz, die das Organ mit sich bringt.

Wie ist die Reaktion der Besucher?

In allen Kulturkreisen sind die meisten besonders positiv überrascht und begeistert. Viele sagen, dass sich ihr eigenes Selbstbild verändert habe. Einige Besucher wurden in einer Umfrage der Universität Kassel ein halbes Jahr nach dem Besuch befragt. Da kam tatsächlich heraus, dass 9 Prozent weniger rauchen oder Alkohol trinken, 33 Prozent sich gesünder ernähren und 2 Prozent mehr Sport treiben. Und das wollen wir ja auch mit der Veranstaltung erreichen! Gesundes Leben muss zur Gewohnheit werden – und dazu bedarf es das Verständnis dazu.

Ihre Ausstellung ist dennoch umstritten. Kritiker beschreiben ihr Vorgehen als unethisch und menschenunwürdig.

Das ist meist die typische Meinung von Personen, die unsere Vorstellen nicht gesehen haben oder sehen wollen. Natürlich kann man bei dem Thema „Leben und Tod“ nicht mit jedem gleicher Meinung sein. Menschenwürde ist für mich im Grunde ein Achtungsanspruch. Die Achtung, die unsere Exponate von den Besuchern bekommen, ist nicht in Worte zu fassen. Besucher sind von der Ausstellung nicht belustigt, sondern empfinden Anerkennung und Achtung vor dieser. Bei 300 bis 500 Besuchern täglich, ist es manchmal erschreckend, wie ruhig es in der Veranstaltungsstätte ist.

Wie viele Personen sind in Ihrer Spenderdatei aktuell registriert?

Anfang der 80er Jahre haben wir damit begonnen, Spenden für unsere wissenschaftlichen Zwecke anzunehmen, damals gab es die Ausstellungen noch gar nicht. Zurzeit haben wir 2.000 Verstorbene  und 15.000 lebende Spender. Das klingt auf den ersten Blick dramatisch viel, aber viele der Spender sind noch jung, und wir hoffen natürlich, dass sie auch noch lange leben.

Eine letzte Frage: Wie steht es gesundheitlich um ihrem Mann und wird er auf der Premiere in Osnabrück anwesend sein?

Es geht im heute besser als noch vor drei Jahren. Er kann zwar etwas deutlicher sprechen, trotzdem ist das sein größtes Problem, warum auch nun ich mehr in der Öffentlichkeit stehe. Seine Gesundheit hängt von vielen Faktoren ab, daher kann ich nicht versprechen, dass er in Osnabrück dabei ist. Ich möchte es aber auch nicht ausschließen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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