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Sep-2018

Jaegerin Cornelia Weiß: “Meine beste Freundin ist Veganerin”

Allgemein   /  

„MEINE BESTE FREUNDIN IST VEGANERIN“

OSNABRÜCKER JÄGERIN CORNELIA WEISS ÜBER VERANTWORTUNG UND VORURTEIL

 

web_1INSIDER: Hallo Cornelia, du führst deine eigene Jagdschule und bist auch selbst als Jägerin in Osnabrück aktiv. Wie genau hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Cornelia Weiß: Das ist eigentlich ganz witzig. Jägerin bzw. Jäger selbst wird man über einen Kurs, wie ich ihn hier in Osnabrück tatsächlich anbiete. Meine Leidenschaft zum Jagen, beziehungsweise zum Schießen, habe ich aber schon auf dem Sportgymnasium, das ich in Suhl besucht habe, entdeckt. Dort habe ich als einzige Schülerin als Zehnjährige an der Schieß-AG teilgenommen und habe schnell gemerkt, dass mir das liegt. Vor meinem Abitur habe ich dann in Rheine meinen Jagdschein gemacht und habe neben meinem Studium schon in einer Jagdschule gearbeitet. Aus meiner Familie hat sonst niemand etwas damit zu tun.

Jetzt hast du deine eigene Jagdschule.

Genau. Da mir die Einstellung meines vorherigen Chefs irgendwann nicht mehr gefallen hat, habe ich gesagt: „Das war‘s, ich mache das selber, ich mache das besser und vor allem mache ich das nachhaltiger.“

Und was können die Teilnehmer dort bei dir lernen?

Der größte Teil bezieht sich gar nicht auf die Schießausbildung. Es geht vielmehr um die Tiere, die im Wald leben, um ihren Lebensstil. Wir sprechen über Wald- und Landbau, Wildtierkrankheiten und natürlich Jagdrecht. Denn auch wir müssen uns an viele Regeln und Gesetze halten.

web_2Wie lange geht so eine Ausbildung?

Das ist ganz unterschiedlich. Die kürzesten Kurse sind nur zwei Wochen lang. In diesen muss man aber jeden Tag zur Jagdschule kommen. Andere dauern zwei oder bis zu sechs Monate und finden immer nur an bestimmen Tagen oder am Wochenende statt. Am Ende haben alle eine staatliche schriftliche Prüfung, eine Schieß-  und eine praktische Prüfung, in der man eine Jagdsituation nachstellen oder Tiere erkennen muss.

Ab welchem Alter darf man einen Jagdschein machen?

Ab 15 ½ Jahren. Da sind aber meist Jugendliche, wo bereits Väter oder andere Verwandte etwas damit zu tun hatten. Das Durchschnittsalter liegt bei Mitte 20 bis Mitte 30. Nach oben hin sind alle möglichen Altersgruppen vertreten.

 

Gibt es Personen, die ungeeignet sind?

Das kann ich so nicht entscheiden. Ich darf ja keinem vorschreiben, welches Hobby er für sich auswählt. Ich hatte aber zum Beispiel einen Fall, da hatte ein Herr die ganze Zeit nur nach Kurzwaffen gefragt und irgendwann im Unterricht gesagt, dass er Angstattacken habe und sich deshalb eine Waffe unters Kopfkissen legen wolle. Da habe ich entschieden, dass ich diesen nicht weiter ausbilde. Ich bin generell gegen Kurzwaffen. Als Jäger braucht man die auch nicht.

Mit dem Sportschießen hast du schon deutlich in jungen Jahren angefangen. Was ist da der Unterschied zum „Wild jagen“?

Ein Sportschütze schießt wirklich nur auf Papier oder auf Tonscheiben. Der hat gar kein Interesse an den Tieren und auch die Waffe wird gar nicht als solche angesehen, sondern ausschließlich als Sportgerät. Als Jäger ist man vor allem Naturschützer und macht es auch aus diesen Gründen. Ein Sportschütze hat einfach nur den Ehrgeiz der Beste zu sein und möglichst gut und viel zu treffen.

web_3Tiere töten – wie genau soll das die Natur schützen?

Ein schönes und aktuelles Thema auch in Osnabrück ist die Krähenjagd. Wer Richtung Zoo in den Himmel guckt, sieht ständig diese schwarzen Wolken an Krähen. Diese muss man wirklich vermehrt schießen, weil das reines Raubwild ist. Für Außenstehende wirkt das wie Lust am Töten, denn essen wird man eine Krähe ja eher nicht. Tatsächlich weiß ich aber, dass ich durch eine geschossene Krähe ungefähr vier Junghasen gerettet habe. Ein großes Problem, seit es mehr und mehr Monokulturen in der Landwirtschaft gibt, sind auch die Füchse. Tollwut gibt es in Deutschland nicht mehr, demnach hat der Fuchs keine natürlichen Feinde mehr, ist für jedes andere Tier aber ein Feind. Gerade Kaninchen, Hasen und Rehkitze sind durch diesen stark gefährdet.

Mit dem Sportschießen hast du vor zwei Jahren aufgehört. Warum eigentlich?

Mit dem Jagen habe ich eigentlich tatsächlich erst angefangen, als das mit dem Sportschießen mehr und mehr zu Ende ging. Neben dem Studium und der Arbeit, hatte ich einfach keine Zeit mehr dafür. Wir haben sechs Tage die Woche trainiert und dieser Sportler-Lifestyle brachte einfach zu viel Druck mit sich. Ich hab so viele Dinge nicht gemacht, aus Angst mir etwas zu brechen und beim nächsten Wettbewerb nicht mitmachen zu dürfen.

Was für Aufklärungsarbeit müsste noch geleistet werden, damit solche Diskussionen nicht entstehen?

Ich glaube, das Problem ist einfach, dass in Deutschland das Thema Jagen extrem tabuisiert wird. Es wird viel zu wenig darüber gesprochen. Nur, weil man von sich selbst sagt, man könnte niemals ein Reh schießen, muss für jemanden anderen doch nicht dasselbe gelten. Dadurch, dass wir eine Minderheit sind, ist es schwierig allen Kritikern zu erklären, was wir eigentlich machen und wofür.

Wie kommen deine Freunde mit deinem Beruf klar?

Sehr gut. Meine beste Freundin ist Veganerin. Die hat sich so oft gefragt, warum ich das mache. Dann habe ich es ihr erklärt und ihre Antwort war: „Ok Conny, das macht Sinn.“ Dann sagte sie irgendwann: „Wenn du etwas geschossen hast und du mir versicherst, dass das Tier glücklich und gesund war, dann esse ich das Fleisch mit dir.“ Einige andere Freunde wollen sogar demnächst selber ihren Schein machen.

Jagen gilt als klare Männerdomäne. Wie gehst du damit um und wie reagieren die Herren auf dich?

Es passiert häufig, dass vor allem ältere Männer am ersten Tag mit verschränkten Armen vor mir sitzen und sich denken: „Die soll mir jetzt was beibringen?“ Tatsächlich sind das die ersten, die ich überzeugt habe, weil die schnell merken: „Ok, die hat wirklich Ahnung.“ Viele können sich bei mir einfach nicht vorstellen, dass ich mit meinen 26 Jahren schon mehr Erfahrung habe, als manche der Herren über 50. Ich merke aber schon, dass ein kleiner Umbruch stattfindet.

Vielen Dank für das Gespräch!

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