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03
Sep-2018

Comedian Özcan Cosar: “Lasst uns die Gegenwart genießen!”

Allgemein   /  

„LASST UNS DIE GEGENWART GENIESSEN“

COMEDY-SHOOTINGSTAR ÖZCAN COSAR IM INSIDER PROMI-TALK

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Einst deutscher Meister im Breakdance, heute Meister der Situationskomik und Selbstironie: Özcan Cosar gelingt es, die Klischeekiste „Deutsch-Türke“ in seinem mittlerweile dritten Soloprogramm ordentlich durcheinander zu wirbeln. Er reist in die Vergangenheit, um seine Kindheitsträume wieder zu finden und stößt dabei auf Gedanken, die er längst vergessen hat. Daraus werden Geschichten über seine Jugend, seine Familie und seine Wandlungsfähigkeit, die er mit viel Witz und Charme erzählt. Am 08. September tritt der 37-jährige Stuttgarter mit seinem Soloprogramm „Old School – die Zukunft kann warten“ im Haus der Jugend in Osnabrück auf. INSIDER sprach vorab mit ihm über die Lebenshürde Berufswahl, Türken in Deutschland und chaotische Zukunftsplanung.

INSIDER: Zeitungszusteller, Breakdancer, Tanzlehrer, Zahnarzthelfer, Comedian, Sportstudent, Schauspieler. Welchen Job trägst du bei Formularen tatsächlich unter Beruf ein?

Özcan Cosar: Mein Vater hat früher immer behauptet, ich sei ein arbeitsloser Witzeerzähler gewesen. Inzwischen darf ich da wohl „Comedian“ hinschreiben. Als ich Schauspieler war, habe ich es immer geliebt diesen Beruf zu nennen, bis ich irgendwann gemerkt habe, dass die Bank das gar nicht gut findet und ich nicht mal einen Kleinkredit bekommen habe. (lacht)

Wieso hast du dich bei deiner Berufswahl so schwer getan?

Das sieht nur von außen so aus. Ich wollte eigentlich immer nur einen Job, der sich cool anhört.In den 90ern war ich zum Beispiel „Operator für Laserdruck“ und früher wusste keiner was das eigentlich bedeutet. Die haben alle gedacht ich sei bei der NASA, obwohl ich nur in einer Druckerei gearbeitet habe.

Welchen Beruf würdest du ausüben, wenn es mit der Comedy nicht geklappt hätte?

Gute Frage. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich wäre wahrscheinlich irgendwo anders gelandet, aber sicher nicht in einem der Berufe, die ich schon gemacht habe. Es ist so wie mit Ex-Freundinnen, da warst du schon mal und gehst nicht wieder zurück.

b-6677_m2015 warst du mit deinem ersten Programm „Adam und Erdal“ bereits in Osnabrück. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Ich trage dieses Mal andere Kleidung. (lacht) Nein, im Ernst: Ich bin einfach noch immer der gleiche Typ, habe aber einfach mehr Geschichten aus meinem Leben zu erzählen.

Was bedeutet es für dich als Türke in Deutschland groß zu werden und zu leben?

Dasselbe wie als Grieche, Italiener oder Albaner in Deutschland aufzuwachsen. Damals, in den 70er- und 80er-Jahren, hätte ich viele Geschichten erzählen können, zum Beispiel wie einsam wir waren. Aber ich hatte eine richtig schöne Kindheit und bin einfach mit zwei Kulturen in Stuttgart aufgewachsen. Diese paar Rassismus-Geschichten, die man in seinem Leben durchmacht, sind natürlich nennenswert, aber definieren mich nicht. Man sollte nach vorne schauen.

Glaubst du, dass sich der Skandal um Fußballstar Mesut Özil negativ auf das Standing der Türken in Deutschland ausgewirkt hat?

Ich denke, in der aktuellen Debatte geht es gar nicht um Mesut Özil, sondern um Menschen, die ihren Rassismus ausleben. Wenn jemand auf die Straße geht und „Scheiß  Ausländer“ schreit, dann ist das keine Reaktion auf eine Aktion oder ein Bild, sondern einfach ein latenter Rassismus, der in ihm schlummerte. Das Erdogan-Foto von Özil war so ein Moment, wo dieser Rassismus bei einigen in Erscheinung getreten ist. Und das finde ich ekelhaft. Ich denke aber nicht, dass es einen Einfluss auf die Wahrnehmung der türkischen Bürger in Deutschland hat.

Özcan Cosar _ Bild 2_kleinWas hältst du generell von Klischees in Comedy-Shows?

Unsere Aufgabe ist es ja Dinge, wie auch Klischees, so zu übertreiben, dass es schon wieder lustig ist. Solange es nicht zynisch wird, kann man eigentlich machen was man will.

Worum geht es in deiner dritten Live-Show „Old School – Die Zukunft kann warten“, mit der du aktuell auf Deutschland-Tour bist?

Eigentlich ist es die gleiche Show nur mit anderem Namen. Das merken die meisten nur nicht. (lacht) Nein, Spaß: Die neue Show ist wieder sehr autobiografisch. Es geht um mein Leben, um Situationen, die ich erlebt habe. Ich spreche über meine Hochzeit oder meine Zeit als Jugendlicher in einer Gang in Stuttgart. Ich möchte meinen Zuschauern die Welt aus meinem Blickwinkel zeigen.

Wieviel von dem Programm ist improvisiert?

Das variiert von Show zu Show etwas. Ich würde sagen: 90 Prozent ist fix, der Rest improvisiert.

Welches Ereignis aus deiner Vergangenheit würdest du am liebsten rückgängig machen?

Ehrlich gesagt keines, denn alles, was ich in meinem Leben erlebt habe, hat mich zu diesem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Gibt es denn umgekehrt etwas, dass du gern noch einmal erleben möchtest?

Die Geburt meiner Kinder. Aber dann hätte ich jetzt vier oder noch mehr… (lacht) Ich finde, genau das ist am Leben so schön, dass du besondere Momente nur einmal erlebst und darum geht es auch in meiner Show. Die Zukunft kann warten und viele Menschen vergessen aufgrund von Zukunftsängsten die Gegenwart zu genießen.

Bis 2016 warst du Teil von „Rebell Comedy“. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?

Vor allem Geld! (lacht) Und natürlich viele schöne und lustige Momente sowie tolle Menschen, die ich währenddessen kennengelernt habe.

Kannst du dir ein Comeback in dieser Konstellation
vorstellen?

Klar, warum nicht?! Die Energie und der Zeitpunkt müssen einfach stimmen. Es ist nicht ganz einfach, dass mit meinem Family-Leben zu vereinbaren. Damals mit einem Kind war das schon nicht leicht. Karriere ist toll, aber für mich ist es das Schönste im Leben, Zeit mit meiner Familie zu verbringen und das möchte ich für Nichts auf der Welt zurückstellen.

Worüber hast du selber zuletzt gelacht? 

Vor zwei Tagen habe ich eine türkische Komödie geguckt, die den berühmten Horrorstreifen „Der Exorzist“ parodiert und hab mich wirklich totgelacht. Der war so schlecht, dass er schon wieder gut war.

Vielen Dank für das Gespräch!

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