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04
Aug-2017

Samy Deluxe: „Osnabrück? Da gab’s mal Beef“

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Samy Deluxe: „Osnabrück? Da gab’s mal Beef“

web_SD_Motiv_3Er ist nicht irgendein deutscher Rapper, Samy Deluxe ist längst eine Ikone des deutschen HipHops. Gemeinsam mit den Beginnern und anderen Hamburger Künstlern stand er bereits auf den Jam-Bühnen der Nation, als das Genre hierzulande noch in den Kinderschuhen steckte. Mit 19 schmiss Samuel Sorge (bürgerl. Name) einst die Schule und eroberte wenig später mit „Dynamite Deluxe“ die Deutschen Charts. Von da an war Samy Deluxe nicht mehr aufzuhalten – als Solokünstler ebnete er den Weg für den heutigen Deutschrap-Hype. Deutschland will er mit seiner Musik zu einem besseren Ort machen. Samy lässt nicht nur seine Texte, sondern auch konkrete Taten sprechen. Seit langem arbeitet er in Workshops mit Jugendlichen. So will er Vorurteile abbauen. Am 05. August stattet er passenderweise unserer Friedensstadt einen Besuch ab und spielt – mit den Beginnern und Afrob – auf dem Schlossgarten Open-Air. INSIDER sprach vorab mit Samy Deluxe über den G20-Gipfel, Osnabrück und die Angst vorm Karriereende.

INSIDER: Samy, du bist eigentlich kein Mann großer Statement-Videos im Internet. Zu den Krawallen beim G20-Gipfel in deiner Heimatstadt jedoch hattest du eine Menge zu sagen. Warum?

Samy Deluxe: Zum einen, weil die Beginner und ich bereits im Vorfeld des G20-Gipfels auf einer Anti-Atomkraft-Demo aufgetreten sind und ich diesen Gig unter widrigen technischen Bedingungen noch in absolut positiver Erinnerung hatte. Wir mussten dann am Freitag direkt los zu einem anderen Auftritt und ich hab auf dem Handy und telefonisch plötzlich eine Schreckensmeldung nach der anderen erhalten. Einige Leute meinten dann, ob ich nicht mal ein Zeichen setzen könnte. Das hab ich dann nach kurzer Überlegung auch getan, weil mir natürlich auch meine Heimstadt am Herzen liegt. Dass das Video am nächsten Tag ’ne halbe Million Klicks haben würde, hab ich natürlich nicht geahnt.

web_SD_Motiv_2Du hast deine Karriere zu einer Zeit begonnen, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Kannst du trotzdem etwas mit Social Media anfangen oder nimmt man sowas als Künstler einfach notgedrungen mit?

Damals zu dieser MySpace-Ära war ich extrem aktiv und hab das auch gerne gemacht, weil das eine Musikcommunity war. Facebook wurde dann zunächst von meinem Management eher als Werbeplattform anstatt als persönliches Sprachrohr genutzt. Heute fühle ich mich bei Instagram am wohlsten, weil das am ehesten zu mir passt. Bei Facebook ist allerdings die Reichweite deutlich größer, insofern mache ich da natürlich auch viele Sachen.

Du bist jetzt bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Rapper. Fühlst du dich heute noch wohl in der deutschen HipHop-Szene?

Diese eine HipHop-Szene gibt es heutzutage meiner Ansicht nach gar nicht mehr. Mit den meisten Leuten von früher – Robbe, also Afrob, und mit den Beginnern etwa – hänge ich noch immer häufig ab. Aber ich bin eigentlich nie auf irgendwelchen großen Festivals wo zum Beispiel auch Bushido spielt. Das sind dann auch zu unterschiedliche Welten.

Sido und Kool Savas bringen im Herbst ihr Collabo-Album „Royal Bunker“ raus. Azad geht den umgekehrten Weg und bringt mit „NXTLVL“ in Kürze ein Trap-Album. Welchen Weg geht Samy Deluxe soundtechnisch? Erfindest du dich nochmal neu?

Wer weiß, wer weiß. Schlager hab ich zum Beispiel noch nie gemacht. Oder Nazi-Rock. (lacht)

Arbeitest du denn konkret bereits an neuen Releases?

Auf jeden Fall. Es gibt immer etwas. Aber das erzähle ich noch keinem.

web_SD_Motiv_10Klingt spannend. Dürfen sich die Fans denn dieses Jahr noch auf frischen Output freuen?

Im Oktober kommt ’ne EP von mir raus und kurz danach bin ich noch an einem großen Event beteiligt, das bald angekündigt wird. Darüber hinaus hab ich so ein paar Alben in der Mache. Da muss ich dann mal sehen, wann ich die rausbringe.

Im August sehen wir dich im Rahmen des Osnabrücker „Schlossgarten Open-Airs“ bei uns in der Friedensstadt. Afrob und die Beginner sind dann auch mit am Start. Da liegen musikalische Überschneidungen aller drei Gigs quasi auf der Hand. Wird das so kommen?

Davon könnt ihr ausgehen, ja. Das ist eigentlich immer so, wenn wir alle zusammen irgendwo auftreten. Jedes Feature von damals können wir logischerweise nicht spielen, aber der eine oder andere Track bietet sich an.

Hast du darüber hinaus eine Verbindung zu Osnabrück?

Ich erinnere mich noch gut an einige Auftritte in der 90ern. Mit den Beginnern war ich zum Beispiel im Rahmen der „Bambule“-Tour in Osnabrück. Ihr hattet damals so einen Rapper, Rano hieß der, der sich berufen gefühlt hat, aus der ersten Reihe ein bisschen zu stänkern und die Jungs aufzufordern zu freestylen. „Zeigt doch mal, wie sehr ihr noch Hip-Hop seid“, sowas in der Art. Da gab’s ein bisschen Beef damals. Voll die alberne Aktion.

Was hat der Tod von Mobb Deep-Mitglied und Rap-Legende Prodigy in dir ausgelöst?

Ich bin offen gestanden niemand, der bei solchen Ereignissen dann groß in der Öffentlichkeit auf den Betroffenheitszug aufspringt. Prodigy hab ich persönlich auch nie kennengelernt. Als US-Rapper Sean Price vor etwa zwei Jahren gestorben ist, hat mich das deutlich mehr getroffen, da ich ihn auch ein, zwei Mal getroffen hatte. Da gab es eine intensivere emotionale Verbindung. Aber Prodigy war definitiv auch sehr einflussreich, gerade die alten Sachen sind ganz groß. Das vergisst man ja immer schnell, wenn der Künstler ein paar Jahre nicht mehr den großen Output hat.

Hast du selber denn Angst irgendwann in Vergessenheit zu geraten?

Nein, also Angst nicht. Aber mit zunehmendem Alter macht man sich natürlich schon mehr Gedanken darüber, dass es jetzt vielleicht nicht mehr noch weitere zwanzig Jahre so abgeht. Ich hab letztens gelesen, dass Tom Jones mittlerweile irgendwie auf Mallorca auftritt. Sowas hab ich mir nicht vorgestellt. Aber klar: Auch mein Haltbarkeitsdatum läuft irgendwann ab. Angst habe ich davor nicht.

Fotos: Pascal Kerouche

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