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Mrz-2018

Revolverheld-Sänger im INSIDER Promi-Talk

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„ICH DURFTE BEI REGEN NIE RAUS“

REVOLVERHELD-SÄNGER JOHANNES STRATE
IM INSIDER PROMI-TALK

1,5 Millionen verkaufte Tonträger, „Best German Act“ bei den MTV Europe Music Awards, Gewinner des „Bundesvision Songcontest“ mit dem legendären Ergebnis von 180 Punkten und ein Echo als „Beste Gruppe national Rock/Pop“. So lautet die Erfolgsbilanz der Band Revolverheld nach 13 Jahren. Auf ihrem fünften Studioalbum „Zimmer mit Blick“, gelingt es der Band, ihrem ohnehin markanten Sound neue Facetten hinzuzufügen. Zudem nimmt Revolverheld-Sänger Johannes Strate an der diesjährigen Staffel von „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ teil. INSIDER sprach vorab mit dem Popstar über Fernbeziehungen, Populisten und seine eigene Jugend.

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INSIDER: Johannes, wie findet man die „Stille im Lärm“?

Strate: Indem ich immer wieder auch Sachen nur für mich mache. Ich verreise mal für ein Wochenende alleine oder gehe auf Tour alleine spazieren. Früher konnte ich das nicht so gut, aber in den letzten Jahren habe ich gelernt, alleine zu sein. Das macht vielleicht auch das Alter.

Ein Song auf eurem neuen Album heißt „Liebe auf Distanz“. Wie autobiografisch ist er?

Sehr. Ich hatte mit meiner Freundin vier Jahre eine Fernbeziehung zwischen Hamburg und Köln. Es war das klassische Love-on-the-Weekend-Ding. Das kann einen ganz schön zermürben und irgendwann fragt man sich, ob das alles Sinn macht. Gottseidank haben wir durchgehalten und irgendwann ist sie nach Hamburg gekommen.

Hast du beim Schreiben der aktuellen Platte Dinge über dich herausgefunden, die dir so bisher nicht klar waren?

Das Schreiben verändert mich als Mensch. Ich war jetzt überrascht, wie positiv und gut ich mit elektronischer Musik umgehen kann. Unsere Produktion ist total auf links gedreht. Wir haben zuerst die Synthis und Gitarren aufgenommen und erst dann den Bass und den Gesang. Am Ende kamen das Schlagzeug und viel programmiertes Zeug dazu. Da musste ich schon sehr über meinen eigenen Schatten springen.

Angeblich ärgert zu viel Neues die Zuhörer.

Das kann gut sein, aber wir machen das in erster Linie für uns selbst, damit wir uns die Freude am Musikmachen erhalten. Nach der Unplugged-Platte war uns klar, dass wir uns mal wieder neu erfinden mussten.

Muss man alles, über das man singt, selbst durchlebt haben, um authentisch zu sein?

Nein, das muss man nicht. Viele Geschichten werden einem erzählt oder man erlebt sie mit, aber nicht als Hauptperson, sondern nur am Rande. Und natürlich gibt es die künstlerische Freiheit, aber ein Lied kann trotzdem sehr authentisch sein.

Wir müssen zusammenstehen und zusehen, dass
der gesunde Menschenverstand am Ende siegt.

Der melancholische Song „Zimmer mit Blick“ beschäftigt sich mit den unruhigen und gefährlichen Zeiten, in denen wir leben. Was machen die vielen schlechten Nachrichten mit dir?

Ich nehme das natürlich wahr und kann es für mich einordnen. Wichtig ist, dass man dabei eine Haltung hat. Es geht nicht, sich immer in seine Komfortzone zurückzuziehen, was wir in dem Song als „Zimmer mit Blick“ bezeichnen. Man kann in der heutigen Zeit nicht mehr sagen: „Davon habe ich nichts gewusst.“ Wir müssen alle unsere Komfortzone verlassen und gucken, was wir zu dem Großen und Ganzen beitragen können. Das haben die Generationen vor uns auch gemacht. Unsere Großeltern mussten sich noch nachts im Bunker verstecken; das ist für uns undenkbar. Aber so weit weg ist das gar nicht. Das wir es seitdem geschafft haben, all diese Länder und Mentalitäten in Europa zusammenzuführen, ist eine große Errungenschaft. Wir können es nicht hinnehmen, dass irgendwelche populistischen Kräfte das wieder auseinandersprengen. Wir müssen zusammenstehen und zusehen, dass der gesunde Menschenverstand am Ende siegt.

Wie bringt man Populisten aus dem Takt?

Mit Dialog. Die Populisten nutzen die Unwissenheit und die Ängste derjenigen aus, die es nicht besser wissen. Man muss mit den Menschen sprechen, die komische Parolen von sich geben. Das hat die Politik wahrscheinlich versäumt. Deswegen kann die AfD von links und rechts die Versprengten abgreifen. Die müssen jetzt wieder mit integriert werden. Und was Klimapolitik angeht, muss man sich überlegen, mit welchem Verkehrsmittel man in welches Land reist. Oder was man wo einkauft. Es ist ehrlich gesagt einfach, sich ein Konsumverhalten anzueignen. Das wird für die nächsten Generationen selbstverständlich werden. Ich glaube nicht, dass mein Sohn jemals in seinem Leben mit einer Plastiktüte einkaufen gehen wird. Er wird auch nicht mit einem Benzinmotor einkaufen fahren und sich im Winter eine Schale Erdbeeren aus Neuseeland kaufen.

Ich bin in den 80er Jahren auf
Anti-Atomkraftdemos mitgelaufen.

Gab es in deinem Leben ein Ereignis, das dich politisiert hat?

Mein Vater hat mich so erzogen. Er gründete bei uns auf dem Dorf die Vorgängerpartei der Grünen. Ich bin in den 80er Jahren auf Anti-Atomkraftdemos mitgelaufen. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl war ein Ereignis, das mich sehr geprägt hat. Ich durfte als Kind bei Regen nicht raus, was ich total absurd fand. Daran habe ich gemerkt, dass auf der Welt ganz viel schief läuft: Kernenergie – was für ein Quatsch! Wir machen die Natur kaputt und die Tiere sterben aus.

Sind deine Eltern glücklich mit dem, was du machst?

Ja, sehr. Ich konnte immer machen, was ich wollte. Als Teenager habe ich gegen meine Eltern rebelliert. Einfach nur, weil ich das musste. Aber sie waren überhaupt nicht spießig, sondern sogar sehr modern. Manchmal sagt man, unsere Generation sei spießiger als die Generation unserer Eltern. (lacht)

Fotos: Benedikt Schnermann

Revolverheld auf Tour 2018 (ausgewählte Termine)

03.05. Bochum – Zeche, Zimmer mit Blick-Clubtour
04.05. Hamburg – Mojo, Zimmer mit Blick-Clubtour
13.05. Worpswede – Musikhall, Zimmer mit Blick-Clubtour
17.05. Köln – Gloria, Zimmer mit Blick-Clubtour
30.05. Bocholt, Bocholter Open Air 2018
04.08. Revolverheld Open Air auf Westerland / Sylt
25.08. Nordhorn, 5. Grafschaft Open Air

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