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02
Jun-2017

Kraftklub im INSIDER Promi-Talk

Allgemein   /  

Groupies, Helden & Wutbürger
Kraftklub im INSIDER Promi-Talk

Kraftklub aus Chemnitz sind zur Stimme ihrer Generation geworden. Sie gelten als die letzten Helden der deutschsprachigen Rockmusik. In ihrem dritten Studioalbum „Keine Nacht für Niemand“ beziehen sie politisch unkorrekt Stellung gegen Wutbürger und Verschwörungstheoretiker. Auf sarkastische Weise versetzen die Mittzwanziger sich in die Gedankenwelt von Drogenabhängigen, Fans und Liebeskranken und unterhalten ihre Hörer charmant und böse zugleich mit brandneuen Geschichten. INSIDER sprach mit Sänger Felix Brummer, Schlagzeuger Max Marschk und Leadgitarrist Steffen Israel über Haltung, Groupies und Ironie.

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INSIDER: „Keine Nacht für Niemand“ ist eine Anspielung auf den Ton-Steine-Scherben-Klassiker „Keine Macht für Niemand“. Seht ihr euch in der Tradition von Musikern vergangener Generationen?

Felix Brummer: Wir wollen in niemandes Fußstapfen treten. Die ganze Platte ist gespickt mit Referenzen an Bands, die uns beeinflusst haben. Damit wollten wir auch bei dem Titel nicht aufhören. Der Texter Rio Reiser und die Band Ton Steine Scherben waren Wegbegleiter unserer eigenen musikalischen Sozialisation. Nur wenige haben in deutscher Sprache so großartige Sachen hervorgebracht wie er.

Müssen Künstler heutzutage zwangsläufig auch politisch Stellung beziehen?

Brummer: Schon am Anfang haben wir für uns festgestellt, es funktioniert nicht, eine unpolitische Band zu sein, wenn man aus fünf sehr politischen Menschen besteht. Und jetzt haben wir wieder Themen, über die man wirklich reden kann. Ich finde es spannend zu beobachten, wie manche Künstler an sich das Politische entdecken. In diesen Zeiten keine Haltung zu zeigen halte ich für entlarvend.

Wie entstehen Kraftklub-Texte?

Brummer: Ich bin derjenige, der die Geschichten aufschreibt, aber die Ideen kommen von allen Jungs in der Band. Ich bin wie ein Schwamm. Einzelne Zeilen haben sich nie geeignet als Poesiealbumsprüche, weil es bei uns immer auf den Kontext ankommt. Wenn ich im Internet sehe, wie Leute eine Zeile wie „Spring aus dem Fenster für mich“ herausheben, erschrecke ich selber. „Für immer allein“ etwa von der letzten Platte liest sich aus dem Kontext gerissen wie todtraurige Prosa. In Wirklichkeit entstammt diese Zeile aber einem positiven Lied übers Alleinesein.

„Dein Lied“ ist eine musikalische Abrechnung mit der Ex. Welche Reaktionen bekommt ihr auf diesen bitterbösen Song?

Brummer: Viele positive und viele negative. Ich habe das Gefühl, dass manche Leute mit diesem Lied überfordert sind, weil es nicht von einem bösen Rapper stammt, sondern von einer Band, von der sie höchstens ein romantisches Liebeslied erwartet hätten. Das heißt aber nicht, dass man den Song nicht machen darf, sondern dass manche von ihm überfordert sind. In dieser Überforderung neigen sie dazu, den Song ernst zu nehmen und nicht zu dem eigentlich naheliegenden Schluss zu kommen, dass es sich hierbei um Kunst handelt. Es gibt nämlich eine Abgrenzung zwischen dem Autor und dem Protagonisten.

Ist diese Abgrenzung in euren Songs immer offensichtlich?

Brummer: Wir sind ja vorher noch nicht als Sexisten oder Chauvinisten aufgefallen. Hier wird einfach nur die Perspektive eingenommen von einem verzweifelten, gebrochenen Typen. Er versucht, sich weiß zu machen, dass er mit der Trennung erwachsen umgehen kann, auch wenn über ihm alles zusammenbricht. Und dann bricht sich die schlimmste Art Bahn, wie er seine Ex schmähen kann. Es gibt diese feministische Grundhaltung: Eine Frau als Hure zu bezeichnen ist per se verboten.

Wie steht ihr dazu?

Brummer: Bei Verboten stellen sich mir wiederum die Haare auf. Es kommt eben auf den Kontext an. Ein Schimpfwort an sich hat den Zweck, jemanden zu entmenschlichen. Mir geht es mit dieser Rachefantasie darum, die Gefühlswelt von so einem Typen zu zeichnen. Natürlich ist dieses Lied politisch unkorrekt, aber authentisch.

In „Fan von dir“ beschäftigt ihr euch mit dem Fantum. Wie hartnäckig sind eure Fans?

Steffen Israel: Sie kommen uns gar nicht so nahe. Wir werden nicht verfolgt, und es hat auch noch keiner bei geklingelt oder vor der Wohnung gecampt. Auf Konzerten gibt es welche, die man öfters sieht, aber die sind alle sehr nett. Unsere Fans sind nichts, über das wir uns Sorgen machen müssen.

Wie weit gehen weibliche Fans, um euch so nah wie möglich zu sein?

Brummer: Groupies sind eine Legende. Ich bin davon überzeugt, dass Erfolg und Selbstbewusstsein Attraktivitätsmerkmale sowohl von Frauen als auch von Männern sind. Das ist aber nicht auf das Musikerdasein beschränkt.

Israel: Es gibt schon Fans oder Groupies, die sich einem anbieten, weil sie denken: Den muss ich haben! Aber vielleicht merken wir das auch gar nicht.

Vielen Dank für das Gespräch!

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